MEDITATIONEN ÜBER DAS GLAS III

Eine Frage:
Wenn du
der Inbegriff der Ordnung bist,
warum erscheint die Welt gewölbt,
wenn man sie durch dich ansieht?
Warum ist die Realität elliptisch,
verzerrt an deinen Rändern,
wenn sich die dritte Eigenschaft der Kristalle
(nach Homogenität und Doppelbrechung)
aus der symmetrischen Anordnung
der Atome ergibt?
Ich weiß, daß du die Röntgenstrahlen brechen kannst,
das machen auch die kristallinen Polymere,
die Zellulose zum Beispiel,
aus der das Papier besteht.
Ich fange an,
dich wie die Poesie zu sehen:
eine scheinbare Ordnung,
die zwischen dem doppelbrechenden Subjekt
und der chaotisch angelegten Welt
ein widernatürliches
Bild schafft.

So läßt die Poesie uns
alles sehen:
einen Teil, geahnt in der gewölbten Außenseite
und in der Mitte leicht verzerrt,
einen Teil als Krümmung am Boden,
einen Teil noch hinter ihrer Existenz,
und der Rest ist sie selbst,
perfekte Kohäsion,
eine in sich geschlossene Welt
in ihrer stolzen, festen
Transparenz.

by VICENTE LUIS MORA

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