[Schnaps fliesst aus dem Hals meiner Karaffe]

Poem By Viivi Luik

Schnaps fließt aus dem Hals meiner Karaffe,
aus dem Schnabel der Kanne fließt Kaffee.
Beide sind heiß und verbrennen den Mund,
aber die Knochen läutert der Schmerz,
daß es eine Lust ist, sich durch das Leben zu zwängen,
durch seine Mauern und Balken, seinen Mörtel,
trotz daß

in der kleinen Stadt an der Ostsee
die Sorgen dieselben sind
wie in der großen weiten Welt.
Einen blöden Schlager auf den Lippen,
mit halbgeschlossenen Augen,
steht die Welt
am Rande des Abgrunds.

Die Zeit hat es eilig,
die Jahre hasten vorüber.
Geldgeruch in der Luft,
für alles kriegt man Geld.
Gut und Böse,
voreingenommen
verstecken sich
hinter dem Rücken des Volks.

Du,
mit der Zange reiß die Wörter aus dem Mund,
sprich von der Todesstunde, vom Genick des Betrügers,
vom Blut des Verräters, über das wahre Blut,
über den heiligen, zornigen und stolzen Lebensraum

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***[Across the empty page moves a human hand]

Across the empty page moves a human hand,
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Dedication

A northern country´s clearing
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nil and nothing
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